Reise Reise – Volume I

29.01.2016, 9:00, Rwanda, Rusumo, One-Stop Border Post

Nach dem klassischen One-Love Donnerstag, wo die UNESCO und OneLove (a.k.a Leo Lüdemann) diese Woche HOME gezeigt haben – quasi der Vorläufer zu HUMAN, der auch aus Yann-Arthus Bertrand’s Meisterhand entstanden ist – haben Jared und ich uns auf dem kleinen Pfad, wo vor 3 Jahren noch die letzten Slums von Kigali standen nach Hause begeben.Home_very Small

Auf zwei wackligen Holzbohlen überquert man das kleine Rinnsal, was sich durchs Tal schlängelt und dann wandert man durch die Ebene zum Hügel nach Kacyiru hoch. Wie es in Kigali üblich ist wurden die inoffiziellen Siedlungen nach und nach abgerissen und die Leute umgesiedelt. Das passiert natürlich im Sinne der Menschen hier, denn die Bewohner eines Slums können natürlich mit einem modernen Bankenviertel, mehr Hochhäusern und noch mehr überteuerten Hotels sehr viel mehr anfangen, als mit ihrer Hütte. „Guterimbere“ ´- „Nach Vorn !“

 

(Falls es Leser gibt, die des Kinyarwanda mächtig sind, möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass weder die Rechtschreibung noch die Übersetzung 100% stimmen. Es handelt sich eher um eine freie Wiedergabe meines analytjischen Gedankenprozesses)

Auf der Suche nach dem Pfad haben wir uns noch von Konrad und Florian, zwei Weltwärtsfreiwilligen verabschiedet. Die haben mit mir letzte Woche im OneLove in einem Kollektiv aus Saxophon, E-Gitarre und DJ zu Elektro gejammt. Gegen 2 Uhr ist letzte Woche leider der eine Amplifier und damit auch der Subwoofer ausgefallen, was die Klangqualität massiv, die tanzenden Menschen aber glücklicherweise nur geringfügig beeinträchtigt hat. Dieses Mal gab es Kompatibilitätsprobleme, mit meiner Soundkarte und Flo’s Laptop, Dem Klinkenkabel und Flo’s Laptop und letzten Endes auch mit meiner Festplatte und meinem Laptop. War aber nicht so schlimm, weil eh die meisten Leute nach dem Film gegangen sind und der Rest sich lieber gemütlich nach draußen gesetzt hat. Nachdem die Technik dann nicht so lief hatten irgendwann auch Konrad, Flo und ich keinen Bock mehr. Ergo: „Nta Kibazo“ oder alternativ „Hakuna Matata“. Ich habe noch immer nicht rausgefunden, ob diese Redewendung aktiv im Kiswaheli verwendet wird, oder nur von irgendwelchen unwissenden Disney Regisseuren verbreitet wurde, aber das werde ich wohl noch schnell genug rausfinden.

Just in diesem Moment habe ich nach 1 Stunde packen, 2 Stunden mit Jared Film gucken, 3 Stunden zur Grenze fahren und ca. 1 Stunde über die Grenze laufen du Grenzbeamte anstarren mein Visum in den Händen.

Find the Mistake
Find the Mistake

Wenigstens sah die Quittung schön aus:

Visa 2

An der Grenze wartete freundlicherweise schon ein Baboon auf uns. Ich war allerdings zu müde und somit auch zu langsam um ein Foto zu machen. Primär warte ich aber nur darauf die Kamera, die ich mir am Montag noch kurzerhand bei E-Bay erworben habe am Sonntag mit anderem Krams aus Deutschland in den Händen zu halten. Kurz nach dem Affen nahm ich dann auch mit Augen und Ohren die Rusumo Fälle war, zu denen ich genau so viel sagen kann: Es war morgen, ich sah Wasser und es hat gerauscht. Fast so verschwommen wie meine Erinnerung ist auch das Foto.

Rusumo Falls

29.01.2016, 12:00, Im Bus, irgendwo in Tanzania

Mit dem Visa in der Hand ging es weiter in den nächsten Bus, dessen Sitzreihen sich über die Jahre an die Bequeme Haltung der Reisenden angepasst zu haben schienen. Der Abstand zwischen den Reihen nimmt von vorne nach hinten ab.  Leider habe ich nicht schnell genug reagiert und somit den einzig freien Platz der ein wenig Platz für meine Beine bot an einen Japaner verloren, der mit mir über die Grenze gelaufen ist. Meine Knie tun mittlerweile ein bisschen weh aber ich bin zum Glück noch müde genug um mich von meinen Kopfhörern in einen halbkomatösen Schlaf sinken zu lassen, der nur ab und zu von Hitze oder Schmerzen im Knie unterbrochen wird.

Erleuchtungen der letzten Stunde:

Hakuna Matata wird von einigen Menschen verwendet

Einige der Reisenden sprechen Kinyarwanda (Welch Wunder in einem Bus der von der Grenze kommt)

 

Kahama, 29.01.2016, 15:00

Der Bus rollt langsam ein,

Leute rufen ein beständiges Treiben,

Where you going Mister ? Mwanza ? Dar es Salaama ?

Hapana Asante, Naenda Mwanza

Verschwitze Körper drängeln langsam aus dem Bus

Rufe, Was los, popcorn, chips du Grills

Nicht grau und still Farben sind bunt und schrill,

muss leider direkt weiter, kann nicht bleiben

der Rubel muss rollen und ich muss einsteigen

Kein Heckmek eher eine entspannte Hektik,

freundliche Gesichter, Augen erzählen Geschichten

Früchte aufgetürmt zu Stapeln, seh im vorbeifahren

Rikshaartige Gefährte die am Rand der Straße parken

Staub liegt auf den Straßen, spüre meinen Atem,

Spüre das Land und die Stadt, wie sie atmet

Next Stop, Lake Victoria, Hakuna Matata

(Die oben stehende Zeitangabe ist nicht falsch aber auch nur bedingt richtig. Es handelt sich hierbei um die Rwandische Zeit und nicht um die örtliche Zeit. Wie ich gerade herausfinde, ist es nämlich schon ne Stunde später in Tanzania.)

WP_20160131_13_58_10_Pro (2)
From the Bus

Mwanza, 30.01.2016, 0:12

Mit einer Portion Chips Mayai (Pommes und Ei) im Bauch hat der Bus seine Fahrt von Kahama über Shinyanga fortgesetzt. Also, der Bus selbst fährt glaub ich mit Diesel oder auch Benzin. Alternativ könnte man sagen, ich habe meine Fahrt fortgesetzt, aber ich bin ja nicht selber gefahren. Zum Glück ist das absolut belanglos.

Mithilfe meines freundlichen Sitznachbarn und eines PDF-Dokuments, was ich mir ein weiser Voraussicht noch auf mein Handy geladen habe, habe ich erste Versuche angestellt ein bisschen Kiswaheli zu lernen. Gegen halb 10 erreichten wir dann endlich den TaxiPark von Mwanza. Von dort, wurde ich – nachdem mich die klassischen 6 Taxifahrer alle zu einem Special Price mitnehmen wollten – vom Busfahrer zur Straße geleitet, wo ich in einem komplett überfüllten DalaDala (Minibus) ins Stadtzentrum gefahren bin, wo mich die nette Couchsurferin Dorocella abgehohlt hat, sodass ich letzten Endes mit einer weiteren Portion Chips Mayai in ihrer Küche saß und endlich entspannen konnte. Ein bisschen fertig bin ich schon und morgen muss auch noch Mwanza erkundet werden. Asante Sana, Ijoro Rwiza, Na ejo !

Lake Viktoria, 30.01.2016, 15:30

Mein Körper ist still, ich bewege mich kaum. Lediglich meine rechte Hand vollführt in regelmäßigen Abständen einen perfektionierten Griff der dann mit trainierter Präzision 2, 3 und manchmal auf 4 Erdnüsse in meinen Mund befördert. Die Sonnenbrille reicht nicht ganz um die Sonne ganz auszublenden. Ich schließe meine Augen und verspüre ein vertrautes rotes Leuchten, was meine Augen durch meine geschlossenen Lider hindurch wahrnehmen. „Muzungu ! Muzungu !“, ruft ein Kind, welches –  wie ich nachdem ich den Schall verfolgt habe herausfinde – seinen Kopf aus dem Seitenfenster eines Reisebusses steckt. „Hot Cake“, „Lushanga Raka“, „In God We Trust“, zusätzlich sind noch ein Haufen Sterne und eine Ansammlung rot, majestätisch wirkender Pferde sind auf einem hellgrün, bunten Hintergrund aufgemalt. Felsen und Hügel ziehen langsam an mir vorbei. Eine beständige Brise weht mir ins Gesicht und erinnert mich an Sommertage am Meer. Ein leichtes vibrieren des Fährenmotors wird durch den hellblauen Plastikstuhl auf meinen Körper übertragen. Ich höre Motorengeräusche und Stimmen. Während die Fähre dem Anleger näherkommt wird die Geräuschkulisse lauter. Metall quietscht, Füße steigen die Treppen hinab. Busse fahren von der Fähre über die staubige Piste und verschwinden dann hinter Büschen.

Anleger

Bus, Singida to Arusha, 31.01.2016, 14:10

In Kamanga angekommen bin ich den ersten Pfad am See entlang durch sumpfartige Wiesen gewandert. Der Spur der Fahrradfahrer folgend, die sich beladen mit haufenweise leeren Kanistern bis zu einer Wasser- und Badestelle durchschlugen bin ich dann wie sich es gehört auf den erstbesten Baum geklettert. Der wurde aber irgendwann langweilig und so fand ich mich 15 Minuten später auf der Straße Richtung Inneres der Halbinsel Kamanga wieder. Nachdem ich mit ein paar Leuten gequatscht hatte, und das Treiben um die Häusern am Wegesrand ein wenig betrachtet hatte, beschloss ich kurzerhand auf einen Hügel zu klettern. Auf dem Weg nach oben sah ich schon einige Baboons, die allerdings auf meinem Weg nach oben im Gebüsch verschwanden. Angekommen auf dem Hügel

Arusha, 01.02.2016, 22:15

Leider hat an dieser Stelle der Bus zu sehr gewackelt. Da ich sowieso sehr müde war und lieber Musik hören wollte als zu schreiben, werde ich die Geschichte eben jetzt aus der Retrospektive erzählen. Angekommen auf dem Hügel habe ich es mir auf einem Felsen gemütlich gemacht. Nach und nach haben sich dann 2-3 kleine Äffchen näher an mich herangetraut. Einer ist, nachdem ich 10 Minuten jede seiner Bewegungen imitierte bis auf 2 Meter herangekommen, aber dann hat die Skepsis von ihm Besitz ergriffen und er ist wieder in einem der nahegelegene Bäume verschwunden. Ich habe den Ausblick auf die unzähligen Buchten des Lake Viktorias und die Silhouette von Mwanza noch ein wenig genossen und bin dann als letzter Gast geradeso noch mit auf die nächste Fähre gesprungen.

I'm the Boss
I’m the Boss
Stop and Stare
Stop and Stare

fotor_(11)

Wieder in Mwanza habe ich kurzerhand beschlossen, dass es wenig Sinn ergibt noch einmal ein wenig außerhalb des Zentrums bei Dorocella zu übernachten, wenn mein Bus um 4 Uhr morgens fährt. Ich bin also mit dem DalaDala zu ihr gefahren, habe meine Sachen gepackt, mich verabschiedet und dann meinen Kram zu Lukas, Niklas und Oscar ins Hostel gebracht die ich am Vormittag sehr spontan auf der Straße getroffen habe. Die 3 sind seit Dezember am rumreisen und hatte ein paar witzige Geschichten zu erzählen. Später haben mir dann wie es das Glück wollte noch Freikarten für einen ziemlich fetzigen Club aufgegabelt, sodass ich morgens um 4 ziemlich fertig, aber gut gelaunt in den Bus gestiegen bin. Zur guten Laune hat sicherlich auch mein Frühstück beigetragen (An dieser Stelle ist das Wort Frühstück mal wirklich angebracht). Es bestand aus sehr pragmatischen Gründen aus Chips Mayai (Es gab nirgendwo in der Nähe was Anderes)

Ich habe dann noch festgestellt, dass ich in meinem Leichtsinn Prince Isamilo und nicht wie geplant den Isamilo Espress nach Arusha gebucht hatte. Das war dann im Endeffekt aber auch relativ egal, denn ich bin gestern trotz dessen um 6 Uhr in Arusha angekommen.P1120520 (2)

Mit Frank’s Kollegen Christoph dessen Gastfreundschaft wir genießen und der uns heute schon seine 2 Hausbiogasanlagen und sein komplettes Abwasser, Recycling und Bewässerungssystem vorgeführt hat bin ich dann noch um Flughafen gefahren, Papa abholen. Heute haben wir dann noch ein bisschen die Stadt erkundet und uns mit Benjamin getroffen. Ein Kumpel von der Couchsurferin (Laureene) die gerade bei uns in Kigali wohnt. Der kommt dann am nächsten Montag in Kigali vorbei und wir fahren zusammen nach Goma aufs Festival (Diesmal nehm ich dann auch meinen Impfpass mit)

Papa 2 Papa 1

 

Der nächste Eintrag wird dann aus mehreren Gründen wieder etwas bildreicher. Zum einen hat mir mein Papa die neue/gebrauchte Kamera mitgebracht und zum anderen fahren wir in den Ngorongoro Krater und geben uns voll das muzungusafari Programm bei dem die Kamera bestimmt auch zum Einsatz kommt.

Vogel Arusha

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2 thoughts on “Reise Reise – Volume I

  1. Ähehehem,

    1. Man soll doch nicht durch das Slum-Tal laufen! Da wird man überfallen und ausgeraubt, das weiß doch jeder.
    2. Schickes Haus. Badewanne schon voll mit schimmeligem Geschirr? Günter schon gewaschen?
    3. Hakuna matata kann man zwar sagen, doch dann ist man automatisch Obermuzungu auf Lebenszeit und mit ewiger Uncoolness gestraft. Normale Leute sagen “Hamna shida” oder auch “Hakuna shida”.
    4. Meine Akabangavorräte gehen zur Neige. Erbitte dringend Hilfe.

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    1. 1. Das ist Jared letze Woche auch passiert 🙂 Allerdings erfolglos. Sie haben ihm und n paar Freunden mit einem Stein und einem Stock aufgelauert, waren aber zu blöd um schnell zu handeln, worauf Jared sich langsam zum Stein bewegt und ihn aus der Hand des Angreifers geschlagen hat. Danach hat er ihn noch in den Back geschuppst und alle sind weggerannt.
      2. Günter ist nicht aufzufinden, Badewanne wird regelmäßig gesäubert. “Alles muss sauber sein, sauber und hygienisch”
      3. Das weiß ich jetzt auch. Trotzdem bigges Asante für dein Insider Knowledge
      4. Hilfsmissionen können eventuell initiert werden. Genaueres müsste in jenem Fall noch kommuniziert werden.

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