Reisetagebuch

DSC_0016Den Juli über bin ich mit Bussen, Autos, Fähren und Motorrädern von Kigali über Uganda, Kenya und Tansania bis nach Zanzibar gekommen. Der Titel dieses Eintrags ist fälschlich, da ich es nicht geschafft habe bzw. einfach keine Lust hatte jeden Tag zu schreiben. Dennoch ist Einiges zusammengekommen. Lest für euch selbst.

Donnerstag, 07.07.2016, The Apartment, Kampala

Vor 5 Tagen sind wir mit dem altbekannten Nachtbus aus Kigali in Kampala angekommen. Samstagmorgen wurden wir nach einer kurzen, relativ unspektakulären Motofahrt von Shax, Gisa und Jesse in „der WG“ empfangen. „Die WG“ lässt sich als entspannter Mix aus heruntergekommener Studentenbude und grastolierendem, kommunalem Hangout beschreiben. Bis heute habe ich nicht ganz verstanden wer hier wohnt und wer nicht. Ich habe beschlossen nicht weiter darüber nachzudenken. Sicher ist, dass immer mehr Menschen da sind als es Schlafzimmer gibt. Im Wohnzimmer, dem zentralen Punkt des Lebens, stehen 3 alte durchgesessene Sofas nebst dem ehemaligen Fußstück eines Schaukelstuhls, welches als Couchtisch fungiert. Verschiedene Aktivitäten, die einen Tisch benötigen – wie beispielsweise das Schneiden von Wassermelonen und Kokosnüssen — sind durch diesen Sachverhalt erschwert, allerdings zum Glück trotz Schwierigkeiten durchführbar.  Weiter hinten im Zimmer steht ein riesiger Flatscreen, neben der Stereoanlage an der an guten Tagen nonstop die Reggae Mixtapes von Shax, Brown und Co laufen. Als ich Gisa fragte wie er den überproportionalen Flatscreen in seinen Besitz gebracht hat, sagte er nur irgendwas von irgendwem der ihm irgendwann mal Geld geschuldet hat und einen Pfand hinterlassen musste. Man könnte meinen, dass es dubios erscheint, wenn jemand kein Geld hat um seine Schulden zu bezahlen und trotzdem an einen riesigen Fernseher kommt. Manche Leute würden womöglich sogar relativ sicher von kriminellen Handlungen sprechen. Man muss ja nicht alles wissen. Ich habe nicht weiter nachgefragt. Illegalität ist ja generell sowieso eher relativ.

Nach 2 Tagen Kampala brauchten Alessa und Ich Urlaub vom Urlaub. Laureene, der wir einen Besuch auf ihrer Ziegenfarm abstatten wollten war leider sehr beschäftigt, sodass wir Gisas Empfehlung folgten und uns am Dienstag gegen 11:00 mit zwei Beuteln bepackt zum Old Taxi Park aufmachten, von wo wir mit dem Matatu bis Entebe an den Lake Viktoria fuhren. Am Anleger besorgten wir uns Fährtickets eine saftige Mango und ne kalte Flasche Stoney Tangawizi (Kiswahili für Ingwer), die einzig wirklich erfrischende Limonade die Coca-Cola je hergestellt hat. In der Schlange vor dem Security Check wurde ich von einem älteren Mann (ca. 60-70) angesprochen der eine offensichtliche Alkoholfahne mit sich trug und wie auf Kommando anfing mir ein sehr unverständliches Wirrwarr von Gott, Umzuges und black und white skin zu erzählen. Was er mir sagen wollte weiß ich bis heute nicht, vielleicht wusste er es selbst nicht. Auf jeden war er fest davon überzeugt nach unserer Unterhaltung mit Gott zu sprechen und ihm zu erzählen, dass ich nicht an ihn glaube würde. Außerdem schwafelte er noch von Weißen, die mehr aus ihrer Ländern machen und bessere Arbeit leisteten als Schwarze. Daraufhin versuchte ich ihm in einem historisch-geografischen Exkurs die Verbreitungsgeschichte des Homo Sapiens näherzubringen. Er schien unfähig meinen Worten für mehr als 3 Sekunden zu folgen, weshalb die Unterhaltung für mich nach kurzer Zeit relativ uninteressant wurde. Ich riet ihm also, seinen Monolog für kurze Zeit alleine weiterzuführen und mir weiterer Erklärungen zu ersparen, da ich die Fahrt und den Blick auf den See genießen wollte. Ein Security Angestellter der Fähre fragte freundlich ob der alte Mann mich störe und ob er ihn irgendwo hin bringen solle, ich beschwichtigte ihn, dass es nicht nötig sei ihm Handschellen anzulegen. Generell finde ich es bescheuert, wen ein Security Mann in eine Situation einschreitet die 2 Menschen zwischen sich selbst regeln sollten. In diesem Fall war die Kommunikation mit dem alten Mann (der sich als Kabaya Kabaya vorgestellt hatte) zwar etwas schwierig dennoch glaube ich daran, dass es unserer Gesellschaft schadet zu viel Verantwortung auf externe „offizielle“ Personen abzuwälzen. Kabaya wurde vom Security Mann belehrt und verschwand aufs erste. Nach etwa einer halben Stunde schien ihn die Langeweile gepackt zu haben und er fing wieder an mit alkoholisierter Stimme auf mich einzureden. Um Kabaya zu zeigen, dass eine Unterhaltung für eine Person relativ uninteressant ist, wenn die andere kontinuierlich redet und einem nie die geringste Möglichkeit einer Antwort gibt, versuchte ich eine Aufklärungsstrategie der aktiven Konfrontation. In einem zusammenhangslosen Gewirr faselte ich von Bäumen, Lichtungen, Affen, Stöckern, Schamanen und Waldgeistern. Kabaya war offensichtlich nicht in der Lage zu folgen. Realistisch betrachtet war wahrscheinlich niemand wirklich in der Lage mir zu folgen; mich selbst eingeschlossen. Außerdem war Kabaya’s Blick und seine Konzentration verschoben worden. Ausgelöst durch einen Mann um die 40 der aus dem inneren der Fähre mit einer kleinen Plastikfalsche auf die Ladefläche ans Geländer trat in der offensichtlich irgendein Spirit drin war. Kabaya’s Blick schien von der Flasche magnetisch angezogen zu sein und bewegte sich in Richtung des Mannes der ihn abwimmelte und ganz offensichtlich nicht in der Laune war seinen neu erworbenen Alkohol mit Mr. Kabaya’s zu teilen. Nach dieser Abfuhr schritt der Security Mann wieder ein und entfernte Kabaya vom besagten Mann, sodass er jetzt in einiger Entfernung von uns stand und ins Wasser blickte. Ich setzte mein ursprüngliches Gespräch mit Alessa fort und genoss die frische Seeluft und den Blick auf die Wellen, die an uns vorbeizogen. Die ruhige Atmosphäre wurde in Sekundenschnelle von einem lauten Platscher durchbrochen. Nach kurzer Verwirrung wurde klar, dass es Kabaya war der das Geräusch durch einen Sprung übers Geländer ausgelößt hatte. Für einen kurzen Moment war ich unfähig zu denken, geschweige denn zu handeln. Wäre ich in diesem Moment ins Wasser gesprungen wäre es vielleicht möglich gewesen den Unglücklichen noch zu retten. Die Fähre braucht allerdings um zu stoppen und konnte dann nur langsam wenden. Niemand schien einen Plan zu haben, was zu tun sei und generell herrschte ein allgemeines Staunen. Mittlerweile waren wir von der Stelle, an der Kabaya das Wasser getroffen hatte schon zu weit entfernt und von Kabaya war keine Spur. Nach einer nach meiner Meinung nach kurzen Suche setzte die Fähre ihren Weg mit einem Passagier weniger fort. Selbst wenn er schwimmen konnte war Kabaya in seinem Zustand mit ziemlicher Sicherheit unfähig zu schwimmen. Er hat sein Ende im Lake Viktoria gefunden. Für den Rest der Überfahrt ging mir der Sprung nicht aus dem Kopf. Ich glaube in solchen Momenten fragt man sich immer was die richtige Entscheidung gewesen wäre. Hätte man ihn retten können und wenn ja hätte er das gewollt? Wollte er wirklich sterben oder war der Sprung nur ein Hirngespinst was aus seinem unzurechnungsfähig betrunkenen Zustand heraus entstand? Völlig erschöpft kamen wir am Abend am Anleger von Kalangala Island an. Kabaya wollte nicht aus den Köpfen verschwinden. Dennoch genoss ich das Lagerfeuer und den Sonnenuntergang. Erschöpft fielen wir in einen tiefen Schlaf.

Morgens werde ich von den Geräuschen der Wellen geweckt, die vom Wind getrieben an den Strand rollen. Ich setzte mich auf einen Baumstamm der aus dem seichten Wasser ragt und blicke auf die Bucht. Die Sicht ist voll von Bäumen und alle Arten von Vögeln fliegen in regelmäßigem Abstand über dem Wasser die Bucht entlang. Besonders gefällt mir ein Exemplar, das aussieht wie ein klein geratener Tukan mit Rechteckigem Schnabel. Nach einer längeren Lesesession und einem Spaziergang an der Küste entlang fühle ich mich langsam ein bisschen mehr in Ferienstimmung. Am Abend aßen wir einen wunderbar zubereiteten Tilapia aus dem See, den wir gemütlich an einem Tisch auf dem Strand verspeisten.

Heute Morgen sind wir dann um 7 Uhr morgens aufgebrochen und mit Fähre, Bus und Boda wieder in der WG angekommen. Gisa hatte mir zum Glück das Schlüsselversteck gezeigt, da ausnahmsweise gegen alle Regeln dieser Welt niemand außer uns da war. Mittlerweile ist allerdings nach und nach die lokale Bevölkerung zurückgekehrt und Leute gehen ihren Beschäftigungen nach. rauchen, musikhören, meditieren und Mira (Kat) kauen – wahlweise mit Kokosnuss oder Kaugummi. Im Nebenzimmer sitzt der Onkel eines Mitbewohners in Militäruniform. Beim Betreten des Zimmers werde ich freundlich begrüßt. Ich hole mein Büchlein in das ich gerade schreibe aus dem Rucksack und lasse die Leute mit ihrem Joint allein.

Dienstag, 12.07.2016, Green Park Estate, Athi River, Nairobi

Ich glaube ich befinde mich das erste Mal in meinem Leben in einer Gated Community. Allerdings ist diese eine Stunde von der Innenstadt gelegen und eigentlich befinden sich auch im näheren Umfeld kaum Menschen oder andere Häuser. Während ich im Bett meine Glieder strecke und langsam meine Augen öffne wachen auch meine anderen Sinne langsam auf. Mein Rücken tut etwas weh und fühlt sich steif an. Wahrscheinlich ein Resultat komischer Schlafpositionen und des Reisens der letzten Tage. In regelmäßigen Abständen höre ich Autos, die auf dem 3-spurigen Highway Richtung Stadt fahren. Es ist Dienstag, aber Dienst haben wir heute mit Nichten. Wir entspannen bei Christine. Alessa’s Kollegin aus der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Kigali, die ich dort schon mehrmals getroffen habe. Christine hat genauso wie wir gerade Urlaub und besucht ihre Familie in Nairobi. Ihre witzigen Kommentare und Geschichten helfen uns beim Erfüllen der Mission für den heutigen Tag: chillen. Die Reise ist bis hierhin zwar sehr entspannt gewesen, aber ein paar Tage zum Ausruhen und Energie aufladen sind auf jeden Fall willkommen.

Nach einer (diesmal wirklich) letzten Kampala Nacht haben wir am Samstag endlich Laureene auf ihrer Farm besucht. Nach einer Stunde Matatufahrt wurden wir im wunderschönen Kayunga von ihr begrüßt und verbrachten den Nachmittag damit Geschichten auszutauschen und uns von Laureene in ihre Farmprojekte einführen zu lassen. Umgeben von Vögeln mit krummen und quadratischen Schnäbeln haben wir die Ziegen und Kühe bewundert und eine riesige Jackfruit gepflückt die einen ziemlich direkten Weg in unsere Mägen fand. Kurzerhand haben wir noch ein Cofeeshop Date mit Laureene für September in Amsterdam ausgemacht. Ben, der gerade im Amazonas ist und Ende September zurück nach Arusha aufbricht hatte laut Laureene auch vor einen Stopp in Holland zu machen. Mal sehen was aus dieser Verabredung wird. Um halb 9 standen wir dann wieder mit unseren Rucksäcken bepackt an der Hauptstraße, um festzustellen dass natürlich entgegen der Information von Laureene’s Kumpel kein Matatu mehr nach Jinja fuhr. Wir könnten aber in Kangulumira umsteigen und von da aus noch eins bekommen, stiegen also ein und verabschiedeten uns nach einem sehr kurzen Wiedersehen von Laureene. In Kangulumira angekommen fuhr, wer hätte es geahnt, doch kein Matatu mehr nach Jinja. Das hatte ich schon beim Einsteigen vorausgeahnt, allerdings reisen Alessa und ich ja mit 100% positiver Energie. Irgendwo kommt man immer irgendwie an. Alessa’s Mentalität war zu diesem Zeitpunkt zugegebener Maßen leicht von Schlafmangel und den Spätfolgen ihres Katers beeinträchtigt. Doch bevor jegliche negative Energie ausbrechen konnte war mein Rucksack schon auf dem Gepäckträgers eines Bodas befestigt dessen Fahrer uns für einen vernünftigen Preis die letzten 25 Kilometer bis nach Jinja fuhr, wo wir von unserem etwas strangen Couchsurfer abgeholt wurden, der uns immer wieder darum bat seine Charity für Weisen und Witwen an potentielle Freiwillige in Deutschland zu empfehlen. Wir waren von „Patrick’s Children“ allerdings weniger überzeugt als er. Allerdings bekamen wir kostenloses Frühstück, Abendessen und 2 Betten, weshalb wir keinen großen Grund hatten uns über irgendetwas zu beschweren.  Samstag verbrachten wir den Tag am Nilufer mit mit chillen, baden und vögel gucken. Eigentlich wollten wir auch noch die Whitewaterrafter aus der Luft begutachten. Die haben wir allerdings irgendwie nicht mehr gefunden, sodass wir den Tag leider mit einem kühlen Bier in einer Bar über dem Nil verbringen mussten. Zu allem Überfluss hatten wir auch noch Datteln gekauft.

Sonntag (vorgestern) war dann Reise angesagt. Wir hatten beschlossen von Jinja aus nach Nairobi zu trampen. Um ein bisschen Puffer zu haben und jeglichen Stress zu vermeiden, haben wir Kisumu als Zwischenziel festgelegt wo wir über Couchsurfing kurzfristig noch Jacob erreicht haben, der uns sofort einen Platz auf seiner Couch versprach. Nach 5 Minuten an der Straße saßen wir auch schon in einem kleinen Pkw in Richtung Grenze. Zwischen Zuckerrohr und Maisfeldern platze auf einmal einer der Reifen. Mit geballter Kraft war allerdings innerhalb von 5 Minuten das Ersatzrad montiert. Die kleine Reparatur schweißte unsere Reisegemeinschaft zusammen. In der nächsten Stadt musste dann allerdings das Auto vernünftig repariert werden. Nach 30 Minuten in einem vollgeladenen Matatu und einer kurzen Bodafahrt befanden wir uns dann allerdings trotz vorheriger Panne an der Grenze in Busia und konnten problemlos die Grenze überqueren. Nachdem wir freundlich die Busfahrer, Taxifahrer samt ihren Kumpels, Rafikis und Komplizen abgewimmelt hatten fanden wir einen netten Lehrer, der gerade in Busia Fisch und Gemüse gekauft hatte und uns mitnahm. Es führt zu unserem Vorteil nur eine Straße von Busia Richtung Kisumu und Nairobi. Nach dem wir uns vom Lehrer verabschiedet hatten streckte ich den Finger raus und der erste Laster öffnete die Tür. So fuhren wir dann zusammen mit Safari im geräumigen Fahrerhäuschen seines Tanklasters gemächlich bis nach Kisumu wo wir von Jacob und Freunden empfangen wurden. Von Jinja waren wir ein gutes Stück gekommen und schon wieder am Lake Viktoria. Abends gab es guten kenianischen Tee und wir diskutierten lange mit Jacob über nervige Botschaftsbeamte. Ihm war gerade zum 2. Mal ein Visum verweigert worden um seine Freundin in Polen zu besuchen.

Gestern Morgen ging es dann mit viel Rumba Musik in 4 Autos von Kisumu über Nakuru nach Nairobi. Der Businessman Nelson brachte uns bis an die Mombasa Road und Alessa und ich waren müde vom Reisen und erst mal vollkommen überwältigt von den Ausläufern und dem brausenden Verkehr in Nairobi. Vergeblich standen wir an der Straße und warteten auf ein Matatu, sodass wir uns dazu gezwungen fühlten einen weiteren Trampversuch zu starten. Das erwies sich aber bei der hektischen, beschäftigten Großstadtbevölkerung als schwieriger als außerhalb. Gegen einen kleinen Obolus nahm uns allerdings nach einigen gescheiterten Versuchen jemand mit. Morgen werden wir uns dann ins Getümmel der Millionenstadt stürzen.

Samstag, 23.07.2016, Mikindani, Mombasa

In Nairobi waren wir bis Sonntag, da wir Gisa’s Empfehlung folgten und für das Up-Life Festival blieben. Ken (Dark Meme) der in Kampala aufgrund seines Faibles für Deep House und crazy Elektrokrams als der „Crazy DJ“ bezeichnet wird war zusammen mit Gisa und Jesse am Start, die Alessa und Ich gegen Mittag auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums trafen, wo den ganzen Nachmittag über organisiert wurde. Durch Connections, freundliches Lächeln und ein bisschen Smalltalk haben wir uns Crew-Pässe besorgt und uns um die 30$ Eintritt drücken können. Das Up-Life war ein ziemlich geiler Abend mit Musik. Rund um die Bühne standen auf den Schienen alte Dampfloks aus der Kolonialzeit die in verschiedensten Farben beleuchtet wurden und deren Dächer in den späteren Abendstunden zum Tanzen und entspannen genutzt wurden. Abgesehen von diesem coolen Event war ich von Nairobi als Stadt nicht wirklich überzeugt. Im Juli ist Nairobi laut Info unseres Couchsurfers Robinson Winter und im Vergleich zu Kampala und Kisumu haben die 15° in Nairobi dafür gesorgt, dass ich jetzt immer noch Schnupfen habe. Die Menschen in Nairobi sind wie das Klima kälter und generell ist die Stadt von westlichem, industriellem Individualismus geprägt. Die Leute im Bus und im Zentrum wirken konstant in Hektik und gestresst, anstelle von Gesprächen im Bus sitzen fast alle nur vorm Smartphone und auch wenn es in der Innenstadt schöne Parks gibt fand ich alles zu grau und nicht wirklich gemütlich. Außerdem ist fast immer Rush-Hour.

Sonntag haben wir nach dem Up-Life Jesse mitgenommen und waren nach einer sehr unbequemen Busfahrt am Montag in Mombasa. Innerhalb von 8 Stunden trifft man auf eine ganz andere Welt. Mombasa war mir als Stadt nur aus einem 5-Minütigen Ausschnitt aus „Inception“ bekannt in dem sich einige Protagonisten durch volle Cafés und enge Gassen verfolgen. Von diesem Bild getrieben war Mombasa für mich schon bevor wir ankamen ein Ort den ich unbedingt sehen wollte.  Hafenstädte sind meistens irgendwie cool und man spürt in Mombasa den starken arabischen Einfluss auf die Kultur der sich dort durch den jahrelangen Handel gefestigt hat. Ich glaube Menschen, die am Wasser leben sind generell entspannter und ausgeglichener. Seeluft füllt die Lungen und ich hab das Gefühl wieder richtig durchatmen zu können. In der Innenstadt findet man an jeder Straßenecke frischen Saft und ich muss sagen, dass ich die arabische Esskultur sehr genossen habe. Wenn man sich vorbei an alten Moscheen durch die Gassen der Altstadt streift ist man eingehüllt von Gerüchen. An kleinen Ständen werden Bajia, Falafel und sonstige Köstlichkeiten zubereitet. Dazu gibt’s wahlweise Tamarinden- oder Kokoschilli. Häuser sind gesäumt von Wäscheleinen auf denen im Wind die Klamotten flattern. Anstelle von Motorrädern gibt es kleine dreirädrige Tuk-Tuk’s. Überall wird man mit einem freundlichen „Karibu Sana!“ herzlich begrüßt. Von der Innenstadt laufen wir in Richtung Strand und der Blick auf den Indischen Ozean gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl. Ich lasse Steine übers Wasser springen und die Füße im Wasser baumeln. Die letzten 5 Tage über habe ich jeden Tag mindestens eine Kokosnuss gegessen. Für 2 Nächte sind wir nördlich von Mombasa in der unglaublich entspannten Africa Beach Bar untergekommen, die mir Konrad empfohlen hatte. Man kann den ganzen Tag damit verbringen auf die Wellen zu starren die langsam näher und höher steigen bis die Bäume auf dem Wattartigen Boden bis zu den Kronen im Wasser versinken. Ein paar Menschen sitzen an den Tischen und kauen Mira (Kat), eine Beschäftigung, die wir im Sinne des kulturellen Austauschs als weise und richtig erachtet haben. Man kann den ganzen Tag damit verbringen und es gibt einem ein gutes waches Gefühl. Abends gibt es frischen Oktopus und wenn mit dem Sonnenuntergang das Wasser zurückgeht sieht der Strand mit den Bäumen aus wie eine akazienbewachsene Savanne.

Montag, 25.07.2016, Dar es Salaam

Ich sitze am Strand. Hinter mir die Abendsonne, die in den nächsten Stunden den Himmel ein ein helles goldorange tunken wird bevor sie dann verschwindet. Wind füllt meine Haare und die Hände haben Spuren vom weißen Sand nachdem ich mich auf ihenen abgestützt habe. Ganz nah von uns liegen im Wasser ein paar selbstgebaute Katamarane, die sich gemächlich mit den Wellen auf- und abbewegen. Neue kommen an und lassen sich neben den anderen nieder, Segel werden eingeholt und Menschen und Güter bewegen sich zwischen Strand und Wasser. Auf der anderen Seite der Bucht liegen weitere Schiffe, Im Hintergrund Strand und Palmenwald.  Das Rauschen der Wellen und leises Vogelgezwitscher wird nur hier und da von den röhrenden Geräuschen der paar Motorboote übertönt. Ferner vor der Küste liegen 6 größere Schiffe. Ein paar sind mit Containern beladen. Keines scheint den Plan zu haben demnächst irgendwo hinzufahren. Vielleicht chillen sie einfach nur genauso wie wir in Dar; nur anders. Von Links höre ich das unverwechselbare klimpern von Geldmünzen. Der Zigarettenverkäufer versucht auf sich aufmerksam zu machen. Das hat er er offensichtlich erfolgreich geschafft, ansonsten wüsste ich jetzt nicht, dass er der Zigarettenverkäufer ist, sondern er wäre in meinem Kopf nur das Geräusch von Geldmünzen.

Dienstag, 26.07.2016, Uroa Bay, Zanzibar

Vom Strand aus sind wir gestern Nacht mit dem Sonnenuntergang zurück in die Stadt gelaufen. Für unsere angeschlagene Gastgeberin Tabea haben wir noch Ingwer und Zitronen gekauft und uns dann in ein Dalla Dalla gesetzt. Nachdem wir es innerhalb von zwanzig Minuten im Kreis auf die gegenüberliegende Straßenseite geschafft hatten, beschlossen wir das der Stau Ausnahme angenommen hat die jegliche Art von motorisiertem Verkehrsmittel lahmlegt. Alessa musste auf Toilette und generell hat es sehr wenige Gründe gegeben aus denen ich gerne länger im Bus gewesen wäre. Deshalb sind wir kurzerhand ausgestiegen und haben einen netten Spaziergang am Stau entlängs gemacht. Die Strecke zu Tabea schien laufbar und so machten wir uns nichts aus den Diebesgeschichten von Dar und genossen unseren abendlichen Spaziergang, ein Passant kam uns entgegen und ging vorbei, dann war innerhalb von Sekundenbruchteilen jemand dabei Alessa’s Tasche in seinen Besitz zu kriegen. Auf einmal lagen beide auf dem Boden und Alessa versuchte die Tasche festzuhalten, was aber nicht ganz klappte da der Träger gerissen war. Der Dieb versuchte im Sumpf abseits der Straße zu verschwinden. Ich hechtete hinterher, blieb allerdings mit meinen Füßen im tiefen Matsch stecken, was ihm den nötigen Vorsprung gab um mit Alessa’s Fährticket und 10$ im Gebüsch zu verschwinden. Eine sehr magere Ausbeute, dafür das Alessa jetzt ein neues Ticket braucht und sich bei der Aktion auch noch ihr Knie aufgeschlagen hat. Am nächsten Morgen standen wir (nicht) früh (genug) auf um uns zur Fähre zu begeben. Natürlich kam der Bus erst eine ganze Zeit nicht und langsam wurde die Zeit knapper. Im Bus verbrachte ich die meiste Zeit damit auf meine Uhr zu gucken, was objektiv betrachtet in einer solchen Situation ziemlich idiotisch ist, da man so oder so keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Busses hat. Angekommen sprintete ich auf die Fähre, während Alessa versuchte ein neues Ticket zu bekommen. Das klappte offensichtlich nicht. Das hatten wir allerdings vorher schon geahnt. Sie kommt dann am Donnerstag mit ihren Freunden Pia und Martin nach, die morgen in Dar landen. Ich hab Stone Town’s Altstadt bewundert , Schildkröten gekitzelt und bin über die halbe Insel mit meinem Couchsurfer Maha zu seiner Akrobatikshow gefahren.

Montag, 01.08.2016, Jambiani, Zanzibar

Es ist 8 Uhr morgens. Meine Füße berühren feinen weichen Sand. Der Blick streift zum Strand rüber. Wo sonst das klarste azurblaue Wasser mit seinen Wellen die verankerten Schiffe wiegt, ist jetzt ziemlich weit nichts als Sand zu sehen. Die Erinnerung ans Watenmeer wirkt nostalgisch, in 3 Wochen lande ich in Bremen. An einigen Stöcken, die jetzt bei Ebbe 30cm aus dem Sand herausragen werden Algen gezüchtet. Über die Ebene verteilt sind gegen das Licht der aufgehenden Sonne Silhouetten erkennbar. Sammlerinnen die nach Muscheln und Meeresgetier suchen sind lange vor mir aufgestanden und durchforsten die temporäre Landschaft.  Mit Alessa und ihren Freunden habe ich die letzten drei Tage in einem Ferienhaus am Strand verbracht, welches wir spontan gefunden haben. Heute Abend nehme ich die letzte Fähre zurück nach Dar und finde dann morgen hoffentlich einen Bus mit dem ich morgen früh in Richtung Kigali aufbrechen kann. Gestern bin ich in der Abenddämmerung Barfuß am Strand entlang gelaufen, was eine gute Idee war.

 

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